Repair-Caf'e in Husum eröffnet

Sonja Wenzel

Michael Hertel erinnert sich daran, dass zu Weihnachten verschenktes Kinderspielzeug mitunter recht schnell „kaputtgespielt“ ist: „Nicht selten habe ich schon zwei Stunden nach der Bescherung manches wieder reparieren müssen“, lächelt er. Außerdem sei er Rentner. Diese beiden Gründe seien ausschlaggebend für sein ehrenamtliches Engagement im neu eingerichteten Repair Café, das in den Räumen von „Möbel und mehr“ untergebracht ist und kürzlich offiziell eröffnet wurde. „Das Repair Café ist ein Projekt der Senior-Trainer, die beim Mehrgenerationenhaus des Diakonischen Werks Husum angedockt sind“, so Heike Bayer, Leiterin des Geschäftsbereiches „Bildung, Begegnung und Begleitung für alle Generationen“. 

Repaircafe eröffnet

Verantwortlich für das Repair Café ist Jochen Gedlich: „Nachbarn entdeckten mein Talent fürs Reparieren“, schmunzelt er. Das erste Repair Café überhaupt ist vor zehn Jahren in Amsterdam eröffnet worden – mit riesigem Erfolg: „Ich war mir sicher, dass dies auch eine gute Idee für Husum ist.“ Unterstützt wurde er bei der Planung von den beiden Senior Trainern Petra Rudolph und Axel Ruge. „Das Leuchtturmprojekt Repair Café ist ein Kontrapunkt zu unserer Wegwerfgesellschaft“, so der Sprecher der Husumer Senior Trainer, Johannes Schaer. Es sei auch ein gutes Beispiel gegen Vereinsamung, von der alle Generationen betroffen sind: Denn wer zwar nichts zu reparieren, dafür aber Lust auf eine schöne Tasse Kaffee hat, ist beim Repair Café ebenso herzlich willkommen: „So ergeben sich Netzwerke, kleine Episoden, an die man gern zurückdenkt, aber auch Bekanntschaften und Freundschaften“, erklären Gedlich und Schaer.

Senior Trainerin Petra Rudolph freut sich immer noch über den gewaltigen Zuspruch von Husumer Bürgerinnen und Bürgern, die ihren Wunsch nach ehrenamtlicher Mitarbeit telefonisch sogar in aller Herrgottsfrühe geäußert haben. Im Moment sind es 15 Personen, die ihre Erfahrung und Zeit einbringen, um defekte Gegenstände gemeinsam mit den Eigentümern wieder flottzumachen: Das kann die Holzeisenbahn des Enkels sein, das Kabel vom Bügeleisen, eine Taschenlampe, ein Fensterreiniger oder ein Bettbezug, der unglücklicherweise einen breiten Riss bekommen hat: Jeden ersten Samstag im Monat zwischen 14 und 17 Uhr stehen eine Schneiderin, Holzbearbeiter, in der Mechanik Versierte und Fachleute aus dem Elektrobereich zur Verfügung: Dabei geht es nicht darum, reparaturbedürftige Dinge nur abzuladen. „An der jeweiligen Reparaturstation wird geprüft, ob der Gegenstand repariert werden kann. Wenn ja, geschieht dies unter fachlicher Anleitung. Dabei gelten für Elektrogeräte besondere Bedingungen. Muss ein Ersatzteil eingebaut werden, bekommen die Kunden auch darüber genaue Auskunft, was sie besorgen müssen. Anschließend wird es eingbaut. Ist es irreparabel, verbleibt das Gerät bei den Kunden“, so Gedlich.   

„Viele beschädigte oder defekte Dinge werden oftmals entsorgt, anstatt dass sie repariert werden“, sagte Husums Bürgervorsteher Martin Kindl bei der Feierstunde zur Einweihung des Repair Cafés. Der Neukauf sei relativ billig. Viele Menschen seien der Überzeugung, die Reparatur lohne sich nicht. „Früher wurde aus der Not heraus repariert, und wer es nicht selbst konnte, fragte in der Familie, in der Nachbarschaft oder bei Freunden. Das spiegelte den Zusammenhalt in der Gesellschaft wider.“ Es sei eine „super Sache“, die die Handwerker des Repair Cafés unterstützen: „Den Einwohnerinnen und Einwohnern helfen, ihnen Tipps und Anleitung geben – das wertet unsere Stadt auf.“ Übrigens: Bürgervorstehe Kindl wird demnächst gewiss seine defekte Stichsäge ins Repair Café bringen. Sie sei schon ziemlich alt, funktioniere aber anschließend sicherlich wieder ganz famos, meinte er. „Hilfe zur Selbsthilfe“ sei das Repair Café, so Adelheit Marcinczyk, Leiterin des Bereichs „Arbeit und Soziales“ beim Diakonischen Werk Husum. „Qualifizierte Ehrenamtler unterstützen tatkräftig dabei, dem Klimaschutz und der Nachhaltigkeit ein gutes Stück näher zu kommen.“ Dass Menschen im Allgemeinen sich durchaus fürs „Heilmachen“ statt für die Mülltonne entscheiden, beweisen die Zahlen: „Weltweit gab es 1.653 Repair Cafés im Jahre 2018. Pro Treffen wurden durchschnittlich 18 Gegenstände wieder in Ordnung gebracht. Damit wurden 350.000 Tonnen Abfall vermieden“, so Adelheit Marcinczyk. Die Reparatur geschieht grundsätzlich kostenfrei. Eine kleine Spende in ein stets hungriges Sparschwein ist freilich willkommen.

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